Kiwoko Hospital

Der Glaube ist ein starker Anker in schlimmen Zeiten - "We treat, Jesus heals" ist der Leitspruch des Krankenhauses.

Aktuell (Stand 2019) sind im Kiwoko Hospital folgende Einrichtungen untergebracht:

  • Neonatologie
  • Kinderstation
  • Erwachsenenstation
  • Tuberkulosestation
  • Gynäkologie
  • HIV-Ambulanz
  • Labor
  • Radiologie
  • Krankenschwesterschule
  • Verwaltung
  • (Psychiatrie)

Des Weiteren wird über das sogenannte „Outreach Program“ medizinisch ausgebildetes Personal in entlegene Dörfer der Region geschickt, um die Menschen vor Ort mit Medikamenten und Impfstoffen zu versorgen. Auch ein HIV-Aufklärungsteam und eine Schwangerschaftsbetreuung sind Teil dieses Programmes.

Finanzierungsbedarf besteht bei folgenden Dingen:

  • Impfstoffe gegen Rotaviren, Masern, Mumps, Röteln, Tetanus, Diphtherie, Polio, Pertusis, Meningitis, Hepatitis, Haemophilus Influenza, Pneumokokken
  • Impfpässe
  • Schulungen für das Personal

 OP-Bereich:

  • Ausbau der Räumlichkeiten des OP-Bereichs
  • Schulungen für das Personal
  • Ausstattung mit Verbrauchsmaterial wie Nahtmaterial, Desinfektionsmittel, sterile Waschlösungen, sterile Abdecktücher, Tuben,
  • Venenverweilkanülen, Punktionssets für Aszites-, Pleura- und Perikardpunktionen
  • Laryngoskope
  • Traumatologische Grundausstattung an Nägeln, Platten, Schrauben für die Frakturversorgung und den entsprechenden OP-Instrumenten
  • 1x Durchleuchtungsgerät (C-Bogen)
  • 1x Endoskop mit passendem Geräteturm

Für den Aufbau einer Intensivstation:

  • Intensivmonitore
  • Beatmungsgeräte 
  • Perfusorgeräte
  • Intensivbetten
  • Verbrauchsgegenstände

Gynäkologische Station

  • Erweiterung des Gebäudes

Kinderintensivstation

  • Erweiterung des Gebäudes

Infrastruktur

  • Aufbaue einer aussagekräftigeren Website
  • Krankenhausinforationssystem
  • Aufklärungskampagne über Gesundheitsthemen im Luwero Distrikt
  • Erbau eines Gebäudes für Lehrräumlichkeiten
  • Business Plan Entwicklung
 

Situation vor Ort

Wirft man einen Blick auf die heutige Situation vor Ort, so sieht man, dass das Krankenhaus sein Bestes gibt, den Menschen vor Ort eine medizinische Basisversorgung zu bieten. Dies ist nicht immer einfach, da Geld und Mittel begrenzt sind. Der Begriff medizinische Versorgung ist dabei sehr dehnbar und keinesfalls mit der Situation in Deutschland vergleichbar. Das Krankenhaus versorgt ca 70.000 Patienten im Jahr aus dem Distrikt Luwero und weiteren anliegenden Distrikten. In zwei Operationssälen werden jährlich 2.500 kleinere und teilweise größere Eingriffe mit einfachem OP Instrumentarium sowie Kaiserschnitte durchgeführt. Für komplexere Operationen fehlt das nötige Equipment und das Know-how.  Die Stationen bestehen aus großen Räumen mit einfachen Betten, in denen nicht selten 10-15 Patienten untergebracht sind. Aufgrund der konservativen Einstellung der Bevölkerung werden diese Stationen stets nach Geschlechtern getrennt geführt.

Momentan arbeiten zwei Chirurgen, zehn Internisten und einige Gynäkologen im Kiwoko Hospital. Sie alle leben auf dem Krankenhausgelände und leisten teilweise rund um die Uhr ihren Dienst um die hohe Anzahl an Patienten zu versorgen.

Da das Kiwoko Hospital ein privates Krankenhaus ist, wird es kaum vom Staat unterstützt und ist auf Spenden und Gebühren der Patienten und von außerhalb angewiesen. Auch wenn sich die Kosten für eine einfache Behandlung auf umgerechnet einen Euro belaufen ist dies für viele Bewohner der Region kaum zu stemmen. Dennoch ist ein Grundsatz der Klinik, dass keine Patienten abgelehnt werden dürfen und so versucht man das entstehende Loch im Finanzhaushalt durch Spenden auszugleichen.

Obwohl das Krankenhaus ein Referenzkrankenhaus im Land darstellt, ist das Kiwoko Hospital bereits bei leichten, invasiven Methoden bereits wegen dem Mangel an Ausstattung überfordert. Eine Überweisung zur Spezialklinik in Kampala wird häufig von den Patienten nicht nachgekommen aus Angst vor dem Ungewissen, fehlender Bildung und das Nicht-erkennen der Ernsthaftigkeit der Situation sowie Armut. Hieraus ergibt sich ebenfalls ein Ansatz für Aufklärungsarbeit und Finanzierung von Bildungseinrichtungen in der Umgebung.

Die Entstehung des Krankenhauses

Denken wir uns zurück in das Jahr 1988. – Ein junger irischer Arzt befindet sich am Ort der Verwüstung zweier Bürgerkriege an dem den Menschendie Mittel und die Hoffnung für einen Wiederaufbau ihres Lebens genommen wurden. Genau in diesem Zenario streut er einen Samen mit einer Klinik unter einem Baum (Vgl. Ian Clarke, „The man with the key has gone“, 1993). 

Der Keim wächst und wächst über die Jahrzehnte zu einem bedeutenden Krankenhauskomplex heran. Die Blüte: Ein Ort, an dem heute kranke und verletzte Menschen Hilfe finden – das „KIWOKO HOSPITAL“.

Das Kiwoko Hospital wurde 1989 von dem irischen Arzt Ian Clarke gegründet. Bereits 1988 kam der Allgemeinmediziner aus Bangor, Nordirland, zum ersten Mal nach Uganda. Zu dieser Zeit waren große Teile des Landes aufgrund des Bürgerkrieges verwüstet und viele Menschen kämpften um das Überleben. Auch Kiwoko, dass sich im sogenannten Luwero Dreieck befindet, blieb nicht verschont. Als der junge Ire zum ersten Mal die Gegend besuchte waren fast alle Häuser zerstört. Nur die örtliche Kirche war noch intakt geblieben. In diesem schrecklichen Szenario begann Dr. Clarke schon bald mit seiner ärztlichen Tätigkeit.  In seinem Buch „Missionaries“ schildert der Autor Julian Pettifer die damalige Situation wie folgt:

Nur wenige Gebiete Ugandas haben eine tragischere Geschichte zu erzählen als das grüne und fruchtbare Ackerland nördlich von Kampala, das als Luwero-Dreieck bekannt ist. In dem tragischen Krieg der Vergeltung, der die Jahre des Obote-Regimes in Uganda blutete, wurde das Gebiet systematisch zerstört. In diesem düsteren Klima besuchte Ian Clarke, ein christlicher Arzt aus Nordirland, Luwero. Er eröffnete eine Klinik auf den Stufen einer von Kugeln durchsetzten Kirche. Der Boden der Kirche war sein Operationstisch, und in der Tür gab der lokale Pastor, ironischerweise Livingstone genannt, die Medikamente aus. “

Dr. Clarke wurde schnell bewusst, dass die Menschen langfristige und strukturierte medizinische Hilfe brauchten. Nach kurzzeitiger Rückkehr nach Nordirland kündigte er dort seine Anstellung in einem Gesundheitszentrum und zog zusammen mit seiner Familie nach Uganda, wo er zu von da an weit und breit der einzige ausgebildete Mediziner war. Zunächst beschloss der Arzt deshalb die örtlichen Dorfbewohner in einfacher Gesundheitsfürsorge und Hygiene auszubilden. So lehrte er 18 Leuten aus dem Dorf die wichtigsten Krankheiten und Behandlungsmethoden in Uganda. Dadurch war es möglich viele Menschen, die zum Beispiel unter Malaria litten, zu therapieren. Darüber hinaus wurden auch Besuche in weiter abgelegene Dörfer durchgeführt, um die Menschen in diesen Gebieten zu behandeln und zu impfen. Schon bald war der Wille für die Eröffnung eines Krankenhauses da, damit die medizinische Versorgung in der Region verbessert werden konnte. Zunächst fehlten jedoch die finanziellen Mittel für den Bau einer Klinik, weshalb lediglich eine Apotheke eröffnet werden konnte. Erst Spenden aus Nordirland machten es möglich, mit der Errichtung eines Krankenhauses zu beginnen. Als Ausgangspunkt diente das Fundament einer alten Schule. Die Dorfbewohner entfernten anfangs das dichtgewachsene Elefantengras und legten so das Territorium für das zukünftige Krankenhaus fest. Anschließend wurde Schritt für Schritt mit dem eigentlichen Bau begonnen. Ziegelsteine wurden von zerstörten Häusern herangeschleppt, andere Baumaterialien wurden von den Einheimischen direkt vor Ort hergestellt. Es dauerte 24 Monate bis zur Fertigstellung der Klinik – ein Projekt, das nur durch weitere Spenden von kirchlichen Organisationen oder Privatpersonen ermöglicht wurde. Nachdem Dr. Clarke aufgrund gesundheitlicher Probleme zurück nach Nordirland ziehen musste, setzte Dr. Richard Montgomery die Arbeit seines Vorgängers fort. Über die Jahre wurde die Klinik stets von den Nachfolgern von Dr. Montgomery erweitert und ausgebaut, bis sie eine beachtliche Größe erreichte. In der einheimischen Bevölkerung wurde das Krankenhaus bald sehr geschätzt und Menschen aus allen Teilen der Region kamen, um sich behandeln zu lassen. Trotz mangelnder Finanzierung versucht das Krankenhaus bis heute die bestmögliche medizinische Basisversorgung für die Menschen rund um Luwero zu gewährleisten.

 

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Felix beim Impfprogramm in den Dörfern - es sind nicht genügend Impfdosen vorhanden.